Die in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal stattfindende interdisziplinäre Vorlesungsreihe „Civitas“ der Fachhochschule Potsdam steht unter dem Motto „Arbeit! Arbeit! Arbeit?“. Die Zukunft der Arbeit – das ist seit Jahren das beherrschende Thema in der öffentlichen Diskussion. Die Dozentinnen und Dozenten aus den Studiengängen der Fachhochschule beleuchten in dieser Reihe das Thema jeweils aus der Sicht ihres Faches. Da werden u.a. folgende Themen behandelt: „Arbeit neu ins Gebet nehmen – sozialtheologische Anmerkungen zu ‚ora et labora’“, „Zur Arbeit als Unternehmer“, „Design als Emanzipation oder Prostitution – können wir uns noch Ideale leisten? Überlegungen zur Arbeitswirklichkeit von Designern im Hinblick auf berufsethische Grundfragen“ und „Neuer Bildungsanspruch und Sozialpädagogik“.
Am 5. Dezember 2005 befasste sich Prof. Dr. Dagmar Jank mit dem Thema „Frauenspezifische Informationsarbeit als emanzipatorische Bildungsarbeit – Strukturen, Akteurinnen, Angebote“.
Impressionen von der Veranstaltung
Frauenspezifische Informationsarbeit weist zum einen durch besondere Informationsangebote auf die Leistungen der Frauen auf allen Gebieten hin. Sie berücksichtigt ferner die besonderen Bedürfnisse von Frauen bei der Erschließung und Vermittlung von Informationen. In Deutschland gab es bereits im Kaiserreich und in der Weimarer Republik Ansätze zu frauenspezifischer Informationsarbeit. Einzelne Frauen, wie etwa die Journalistin Elise Oelsner (1836-1902) und die Bibliographin Sophie Pataky (1860-?), entwickelten im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts Personenlexika für Wissenschaftlerinnen und Schriftstellerinnen, die noch heute einen hohen bibliographischen Wert haben. Die Frauenvereine der ersten Frauenbewegung richteten eigene Frauenbibliotheken ein, in denen Material zur Geschichte der Frauen gesammelt und aufbereitet wurde und die Frauen politische Bildung erwerben konnten. Die Vorsitzende des Deutschen Akademikerinnenbundes, Agnes von Zahn-Harnack (1884-1950), realisierte 1934 in Zusammenarbeit mit der Preußischen Staatsbibliothek den ersten deutschen Gesamtkatalog zur „Frauenfrage in Deutschland. Strömungen und Gegenströmungen 1790-1930“.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lässt sich weltweit ein dichtes Angebot von Fraueninformationseinrichtungen feststellen. 400 Einrichtungen in mehr als 140 Ländern verzeichnet eine Datenbank des Internationalen Archivs für die Geschichte der Frauenbewegung. Diese Einrichtungen arbeiten in unterschiedlichen Strukturen. In Deutschland sammelt beispielsweise die Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel seit mehr als 20 Jahren Bücher, Akten und Nachlässe aus der ersten Frauenbewegung. Darüber hinaus betreibt die Stiftung eine rege Forschungs- und Bildungsarbeit. Das vom BMBF geförderte Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung (CEWS) in Bonn ist zum einen ein Think Tank für dieses Thema, zum andern hat es zahlreiche Informationsangebote entwickelt, wie etwa eine Wissenschaftlerinnen-Datenbank oder geschlechtsspezifische Statistiken zu den Bereichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. In Österreich sammelt Ariadne, eine Abteilung der Österreichischen Nationalbibliothek, Literatur zur Frauen- und Geschlechterforschung und bereitet sie in einer Datenbank auf. Am Institut für Geschichte der Universität Wien ist aus einer Privatinitiative heraus eine Sammlung mit Frauennachlässen entstanden. Die Library of Congress überzeugte vor einigen Jahren mit einem umfangreichen und reich bebilderten Buch über ihre frauenspezifischen Bestände.
Die Zukunft der frauenspezifischen Informationsarbeit wird ebenso vielschichtig sein wie ihre Vergangenheit und Gegenwart. Eine Vision stammt von WINE, dem „Women’ s Information Network Europe“. Dort plant man die Gründung einer „European Women’s Digital Library“. Dagmar Jank
