News 2009
Donnerstag, 16.04.2009
FH-Studierende retten Kölner Archivalien
Am 29. April um 14:15 Uhr in HS 2: Fotos, Filme und Erlebnisberichte
Nun war es soweit: elf Studierende des Fachbereichs Informationswissenschaften sollten in der Zeit vom 23.03. bis 28.03.2009 bei der Bergung der Archivalien, die bei dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs Köln verschüttet wurden, helfen.
Bereits kurz nach dem Unglück hatte der Fachbereich seine Hilfe angeboten. Einem Aufruf zur freiwilligen Hilfe durch Frau Dr. Karin Schwarz vom Studiengang Archiv waren etliche Studierende trotz Semesterferien gefolgt. Als das Stadtarchiv Köln das Hilfsangebot annahm, musste alles ganz schnell gehen, vieles blieb noch eine Woche vor der Abreise unklar. Schließlich fanden sich spontan elf Studierende der Fächer Archiv, Bibliothek und Dokumentation zusammen, um die Reise anzutreten.
Im Vorfeld konnte man nur spekulieren, was einen an Arbeit und Unterkunft in Köln erwarten würde. „Ich dachte, ich krabbele in Trümmern herum,“ meinte Helen Buchholz, sich besinnend auf ihre Gedanken und Sorgen vor der Abfahrt.
Die erste Gruppe erreichte bereits am Sonntag, den 22.03.2009, nach 7 Stunden Fahrt mit dem PKW, die Stadt am Rhein und konnte sich so ein Bild von der Unterkunft machen und auch schon erste Kontakte mit anderen Helfern knüpfen. Die restlichen Studierenden fuhren am Montag los, bei der Vorbereitung von einem Kamerateam des rbb begleitet, welches vom Packen der Koffer bei Jörn Kischlat zuhause bis zur Abfahrt zum Bahnhof filmte.
Voller Spannung ging es jeweils am frühen Nachmittag zu unserer Arbeitsstelle, wo die Studenten von nun an täglich 7 Stunden lang Archivalien in die Kategorien „naß“, „trocken“ und „schimmelig“ unterteilen sollten. Die an der Unglückstelle geborgenen Archivalien wurden angeliefert und kartonweise ausgepackt, in diese Kategorien unterteilt und entsprechend behandelt. Nasse und schimmelige Archivalien mussten in Folie gepackt und zum Gefriertrocknen gebracht werden. Eine schnelle und fachgerechte Behandlung war v. a. für diese Archivalien unabdingbar. Die trockenen Archivalien wurden grob verzeichnet, noch einmal zum Trocknen hingelegt und schließlich neu verpackt, um eingelagert zu werden.
„Jeder Karton war eine Überraschung“, berichtete Katja Niedballa, „man wusste nie, was man als nächstes hat, und in welchem Zustand es sich befindet. Die Kartons enthielten die unterschiedlichsten Archivalientypen von Akten, Microfiches und Fotos bis hin zu Orden, Stempeln und Festplatten. Der Zustand war jedoch teilweise sehr erschreckend. Es gab Kartons mit völlig intaktem Material, das man ohne weiteres wieder ins Regal hätte stellen können oder leider auch welche, mit nassen Knäulen oder nur Schnipseln. Jedoch gab es dann auch die Freude über alles, was an Einzigartigem gerettet wurde, wie z.B. Handschriften oder Dokumente aus der Frühen Neuzeit.“
Erschöpft, aber auch zufrieden, diese Leistung für das Archiv erbringen zu dürfen, fuhren die Studenten spät abends in die Unterkunft und tauschten ihre Erfahrungen mit anderen Helfern aus. Der Besuch der Unglücksstelle erschütterte die Studierenden zutiefst. Eine solche Katastrophe ist kaum vorstellbar.
Die freiwillige Hilfe weckte großes, mediales Interesse, sodass Anja Heber und Susann Gutsch mehrmals in der Woche Telefoninterviews gaben und zwei Termine mit dem Fernsehen organisierten, wo die Gruppe vorgestellt wurde.
Zum Ausgleich von Archivalienrettung und Öffentlichkeitsarbeit blieb auch ein wenig Freizeit: manche ruhten sich den Morgen nach der Arbeit einfach nur aus, andere gingen ins Museum oder besuchten den Kölner Dom.
Während der letzten Schicht waren alle zum einen sehr zufrieden, diese Aktion mitgetragen und erlebt zu haben, zum anderen aber auch erschüttert, wie viel Arbeit die gesamte Bergung noch in Anspruch nehmen wird. Die meisten waren sehr beeindruckt von der Zusammenarbeit in der Archivwelt, die dafür gesorgt hat, dass der Helferstrom bis heute nicht abgeebbt ist. Zudem konnten die Studenten die Organisation in solch einer Krisensituation vor Ort miterleben. Inzwischen sind sie wieder heimgekehrt und haben sich von den Eindrücken erholen können. „Es war eine sehr interessante, lehrreiche Erfahrung, die ich nicht missen möchte“, meinte Claudia Busse. „Ich kann es nur jedem empfehlen, der helfen möchte, denn man merkt, dass man v. a. als Fachpersonal gebraucht wird. Und die Mitarbeiter des Stadtarchivs Köln sind so dankbar für jeden, der anpackt.“
Der Fachbereich bemüht sich weiterhin, Hilfsaktionen zu organisieren. In Planung befindet sich zunächst eine weitere Reise nach Köln vom 11. bis 15. Mai.
Die Studierenden werden am 29. April um 14:15 Uhr in HS 2 am Alten Markt ihre Arbeit mit Fotos, Filmen und Erlebnisberichten vorstellen. Interessierte sind herzlich willkommen.



