Mit großem Presseecho wurde am Tag der Bibliotheken, 24. Oktober 2007, der im September 2004 abgebrannte Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek wieder eröffnet. Bundespräsident Horst Köhler machte in seiner Rede deutlich, dass Bibliotheken unverzichtbare Orte der Bildungsgesellschaft sind und forderte die Politik auf, die "Bibliotheken auf die politische Tagesordnung" zu nehmen, ganz entsprechend dem Motto der Amtszeit der aktuellen Präsidentin des Weltbibliotheks- und Informationsverbandes (IFLA), der Deutschen Prof. Dr. Claudia Lux: "Libraries on the Agenda"
Ausgiebig zitierte Horst Köhler in seiner (lesenswerten) Rede Umberto Eco und den Namen der Rose:
" 'Ein Kloster ohne Bücher ist wie ein Gemeinwesen ohne Habe, eine Festung ohne Truppen, eine Küche ohne Geschirr, ein Tisch ohne Speisen, ein Garten ohne Pflanzen, eine Wiese ohne Blumen, ein Baum ohne Blätter ...' Was der Abt hier für die kleine Gemeinschaft eines mittelalterlichen Klosters zitiert, das gilt, so glaube ich, auch heute noch und für die Gesellschaft insgesamt: Ein Land ohne Bibliotheken ist wie ein Gemeinwesen ohne Habe, ein Garten ohne Pflanzen...."
Er verweist auf die Bedeutung des kulturellen Erbes, das in Bibliotheken, gesammelt, bewahrt und zur langfristigen Nutzung bereitgehalten wird. Besonders für die Bibliothek in Weimar, deren Bibliothekar lange Zeit kein geringerer als Johann Wolfgang Goethe war, trifft dies zu.
"Unter Benutzung dieser Sammlung sind die herrlichsten Werke der deutschen Literatur entstanden. Wieland, Goethe, Herder und Schiller haben aus der Weimarer Bibliothek Bücher entliehen. Diese Bibliothek bildet das geistige Reservoir der Weimarer Autoren. Die meisten der von ihnen persönlich genutzten Bände sind heute noch vorhanden."
Eine Reihe von führenden deutschen Bibliothekaren waren vor einigen Wochen eingeladen zum "Präsidentenfrühstück". Davon berichtet er in seiner Rede in Weimar:
"Ich darf als Bundespräsident aber diesen Festtag nutzen, um wenigstens einen Seitenblick auf den bibliothekarischen Alltag in unserem Land zu werfen. Zuerst die gute Nachricht: Es gibt noch Bibliotheken in Deutschland. Und dann die noch bessere Nachricht: Es gibt fantastische Bibliothekare in Deutschland." [Hervorh. nicht im Orig.]
Er macht darauf aufmerksam, dass es in einem Land, das derzeit seine Bildungspolitik neu diskutiert (Stichwort: PISA Schock) immer noch an Schulbibliotheken fehlt, an genügenden Mitteln für Hochschulbibliotheken und vor allem an der strategischen Verankerung der Bibliotheken im Gemeinwesen auf allen Ebenen von den Kommunen über die Länder bis zum Bund.
Die Reaktion auf den Festakt war schon im Vorfeld überwältigend. Jede Zeitung, die etwas auf sich hielt, veröffentlichte Kommentare und Artikel, ja sogar Sondernummern anlässlich des Ereignisses (z.B. DIE ZEIT, DIE WELT, die FAZ). Selten hat in Deutschland das Thema "Bibliothek" so sehr den Blätterwald gefüllt. Die Stimmen gingen von "Freudentag der Nation" bis zu "Musste die Bibliothek erst brennen"? Vielfach wurde Horst Köhler dafür gewürdigt, den Festakt genutzt zu haben, in der Tat der Politik die Leviten zu lesen.
Passend zu diesem Echo startet der Bibliotheksverband Brandenburg an diesem "Tag der Bibliotheken" (= stets der 24.10.) eine Anzeigenkampagne zur Imagewerbung für Bibliotheken. Die Werbeagentur Heymann+Schnell hatte die Konzeption gesponsort und eine Reihe von anderen unterstützen nun die Verbreitung der Motive. Schauen Sie mal in der Bibliothek vorbei oder achten sie auf Anzeigen in der Zeitung und Plakate an Haltestellen bzw. nutzen Sie die Postkarten:
